
- Ein Bär am Straßenrand in Alaska - Monika Fuchs, Alaska Reise 2005
Gleich vorweg: Mit etwas Glück braucht man in Amerika kein Geld auszugeben, um Bären beobachten zu können. Vor allem im Frühjahr, wenn sie auf der Suche nach frischem Grün in den Bergtälern unterwegs sind, und im Herbst, wenn die süßen Beeren an den Büschen sie an den Waldrand locken, begegnet man ihnen oft unverhofft auf einer Autofahrt durch die Bergregionen in British Columbia oder Alberta.
Bären entlang der Straßen beobachten
In der Regel dauert es aber nicht lange und andere Autofahrer und Passanten stoppen neben dem Entdecker des Bären, von denen die Unvernünftigsten häufig mit gezückter Kamera auf den Bären zu stürmen, um ihn möglichst groß auf die Digitalkamera zu bannen - mit der Folge, dass sich der Bär im günstigsten Fall gestört fühlt und sich in den Wald trollt, in dem er schnell den Blicken der Beobachter entschwindet. Im ungünstigsten Fall - der zugegebenermaßen selten ist - kann das Tier aggressiv werden und den aufdringlichen Störenfried angreifen. Meist verzieht sich der Bär aber sowieso bald wieder in die Büsche, in denen er von der Straße aus nicht mehr zu sehen ist. Völlig anders ist dagegen eine Bärenbeobachtung in abgeschiedenen Regionen, in denen die Tiere sich vom Menschen noch nicht gestört fühlen:
Bären in ihrem Lebensraum an der Westküste Amerikas beobachten
In Alaska und an der Westküste British Columbias gibt es verschiedene Stellen, an denen man Bären in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Dort sammeln sie sich in großer Zahl an Flüssen, durch die Lachs-Populationen jedes Jahr wieder zu ihren Geburtsorten zurück wandern. Die Bären treffen sich an der Mündung dieser Flüsse, um sich in mehreren Monaten, die die Lachs-Züge dauern, eine dicke Fettschicht für den Winter an zu fressen.
Unter diesen Bärenregionen sind Orte, an denen besondere Bärenarten leben:
- Auf Kodiak Island und im Katmai Nationalpark leben Braunbären, die man früher wegen ihrer enormen Größe für eine eigene Art hielt: die Kodiakbären. Inzwischen jedoch weiß man, dass es normale Braunbären sind, die sich allerdings wegen ihrer besonders fettreichen Nahrung - der Lachse - zu dieser beeindruckenden Größe entwickeln. Man kann sie an den beiden genannten Stellen beobachten oder entlang verschiedener Buchten im Cook Inlet, die von Anchorage oder Homer aus leicht zu erreichen sind.
- Eine besondere Bärenart findet man in den Regenwald-Regionen zwischen dem kleinen Fischerort Bella Coola an der Westküste British Columbias bis hinauf an die Grenze Alaskas: In diesen sehr abgelegenen Gebieten, die man nur aus der Luft oder übers Wasser erreichen kann, bringen Schwarzbären relativ häufig schneeweiße Nachkommen zur Welt, die man lange ebenfalls für eine eigene Art hielt: die Geisterbären (Spirit Bears) oder Kermode Bären. Heute weiß man, dass nur dann ein Bärenjunges mit weißem Fell geboren wird, wenn beide Elternteile ein bestimmtes Gen besitzen. Und dies kommt in diesen Gebieten verhältnismäßig oft vor. Vor allem im Douglas Channel - einem Nebenfjord der Inside Passage - stehen die Chancen gut, Geisterbären zu sehen.
- An der Westküste Südostalaskas gibt es weitere Stellen, an denen sich Grizzlybären zur Zeit der Lachs Züge sammeln. Vor allem am Anan Creek, südöstlich von Wrangell, und am Stikine River kann man ihnen dabei zusehen, wie sie mit großem Geschick ihre Beutefische aus dem Wasser fangen.
Wie läuft eine Bären Beobachtung im natürlichen Lebensraum der Tiere ab?
Bären Beobachtungen an diesen Stellen sind gewöhnlich so geplant, dass der Besucher viel Zeit hat, die Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Entweder wird er von einem lokalen Führer zu den Beobachtungsstellen gebracht oder er muss sich selbst dorthin auf den Weg machen - ein Erlebnis, das sicher unvergesslich bleiben wird. An den Aussichtsstellen hat der Gast dann gewöhnlich längere Zeit die Möglichkeit, das Verhalten der Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten.
Das schließt auch ein, dass nicht sofort Bären an der Aussichtsstelle zu sehen sind. Dann heißt es erst einmal warten - und das verlangt ein gehöriges Quentchen Geduld, denn schließlich ist man hier, um die Tiere zu sehen und nicht, um auf sie zu warten.
Aber wenn sich dann eine Bärin mit ihren zwei Jungen durchs Gebüsch anpirscht und witternd Ausschau hält nach männlichen Bären, die ihrem Nachwuchs gefährlich werden könnten, wird es spannend. Langsam nähert sich die Bärenfamilie der Stelle, an denen die Lachse besonders einfach zu fangen sind. Und erst, wenn die Bärenmutter den Jungen freie Bahn gibt, trauen diese sich ins Wasser, wo sie tolpatschig versuchen, die geschickten Fischversuche ihrer Mutter nachzuahmen - in der Regel ohne großen Erfolg. Es ist gar nicht so einfach, ein erwachsener Bär zu werden. Für den Betrachter sind es genau solche Erlebnisse, die das Besondere einer Bären Beobachtung in freier Wildbahn ausmachen.
Die besten und sichersten Möglichkeiten, Bären zu beobachten, hat man also an den Stellen, an denen die Tiere sich aus einem bestimmten Grund konzentrieren - sei es, weil sie dort zu festen Jahreszeiten sichere Nahrung finden oder weil sie in abgelegenen Gebieten vom Genpool anderer Bärenarten abgeschnitten sind.
Quelle: eigene Recherchen vor Ort
